Immobilienmarkt Spanien

Mit großzügiger Flugpreisübernahme und exzellenter Bewirtung wurden Immobilieninteressenten in von den Immobilienmaklern teilweise eigens hergerichteten "Traumhäusern" opulent verköstigt und nach einem ausgiebigen Festmahl zumeist mit reichlich Sangria und spanischem Wein versorgt. Danach ging es dann auf direktem Wege vom Luxushort des Maklers zur Immobilienbesichtigung. Oft noch in weinseliger Laune wurden den Interessenten zumeist mit tatkräftiger Unterstützung ortsansässiger Immobilienmakler die Kaufobjekte schmackhaft gemacht. Teilweise wurde sogar an Ort und Stelle versucht, einen Kaufvertrag abzuschließen, der in Spanien - im Gegensatz zu Deutschland - keiner notariellen Form bedarf. Somit hatten auch "Bierdeckelkaufverträge" Rechtsgültigkeit. Mitunter hatten die Interessenten gleich ein hübsches Sümmchen Bargeld dabei, das aus am Fiskus vorbei geschobenen Einnahmen stammte und zum Erwerb einer Immobilie in Spanien diente. Auf diese Weise wurden von Jahr zu Jahr immer mehr Spanienimmobilien zu weit überteuerten Kaufpreisen an den Mann gebracht.

Nachdem im Rahmen der Finanzkrise die erste große Immobilienpleitewelle - über den großen Teich herüberschwappend - den europäischen Markt erreicht hatte, wurde der Druck auf die zuvor aufgeblähten Immobilienpreise immer größer. Diese sanken gemäß den allseits bekannten Marktgesetzen von Angebot und Nachfrage geradezu in den Keller. Immobilien gab es nun zu Hauf, die aber keiner mehr kaufen wollte – jedenfalls nicht zu den Preisen, die die Verkäufer ausriefen. So hat sich der Immobilienmarkt in Spanien sowohl auf dem Festland, als auch auf den Kanaren bis dato nicht mehr richtig erholt. Bis zum heutigen Tage stagnieren die spanischen Immobilienpreise auf vergleichsweise moderatem Niveau. Weniger vom Preisverfall sind die Baleareninseln Mallorca, Menorca und Ibiza betroffen, da dort in der Vergangenheit auf Grund einer restriktiveren Genehmigung von Baubewilligungen weniger Immobilien neu entstanden. Vor allem in Toplagen wie in Puerto de Andratx sind Ferienhäuser nach wie vor sehr gefragt. Da die gesamtwirtschaftliche Lage in Spanien mit einer Arbeitslosenquote von 20 Prozent aber nicht gerade rosig ist, ist mit einem schnellen Ansteigen der Immobilienpreise nicht unbedingt zu rechnen. Gerade in Regionen, die vom Bauboom besonders betroffen waren, ist der Leerstand und damit auch der Preisdruck weiterhin hoch.

Wer sich dennoch mit dem Gedanken trägt, zum jetzigen Zeitpunkt eine Immobilie in Spanien kaufen zu wollen, hat möglicherweise das Problem, diese fremdfinanzieren zu müssen. Dabei ist zu empfehlen, die Finanzierung über deutsche Banken abzuwickeln. In den letzten Jahren haben sich zahlreiche hiesige Banken der Immobilienfinanzierung in Spanien angenommen. Über Korrespondenzanwälte erfolgt die Finanzierung der eigenen Spanienimmobilie vertragssicher und komfortabel von Deutschland aus. Alternativ ist auch die Finanzierung direkt in Spanien über eine dort ansässige Bank möglich. Allerdings trägt ein für mitteleuropäische Verhältnisse ungewohntes Besicherungsverfahren sowie eine komplizierte Antragsprüfung in Sachen Bonität für Nichtresidenten leider nicht gerade zu einer schnellen Abwicklung bei. Weniger aufwendig und finanziell auch günstiger ist hingegen die Beleihung einer eventuell vorhandenen deutschen Immobilie, die als Sicherungsobjekt für deutsche Banken naturgemäß wesentlich attraktiver ist.
Ob es hingegen überhaupt sinnvoll ist, jetzt schon wieder Immobilien in Spanien zu erwerben, steht auf einem völlig anderen Blatt. Wann der Boden bei den Preisen erreicht sein wird, wird man sicher erst dann wissen, sobald die Preise wieder anziehen. Es versteht sich von selbst, dass Immobilienerwerb in Spanien mit Schwarzgeld illegal ist. Das Entdeckungsrisiko ist hoch, da die spanischen Steuerbehörden ganz ausgezeichnet mit ihren deutschen Gegenübern zusammenarbeiten und sich der Kauf einer Immobilie schwerlich verheimlichen lässt.